Escitalopram: Wirkung, Dosierung und Nebenwirkungen
Escitalopram ist ein Antidepressivum aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, kurz SSRI. Angewendet wird es bei Depressionen und bei mehreren Angsterkrankungen. In Deutschland ist der Wirkstoff verschreibungspflichtig. Diese Seite erklärt Anwendung, Einnahme, unerwünschte Wirkungen, Wechselwirkungen und das Absetzen. Sie ist eine Information, stellt keine Diagnose und ist kein Angebot für ein Arzneimittel.
Wofür wird Escitalopram angewendet?
Escitalopram wird bei Episoden einer Depression eingesetzt sowie bei Angsterkrankungen: bei der Panikstörung mit und ohne Agoraphobie, bei der sozialen Angststörung, bei der generalisierten Angststörung und bei der Zwangsstörung.
Der Wirkstoff hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin in die Nervenzelle, sodass der Botenstoff im synaptischen Spalt länger verfügbar bleibt. Escitalopram ist das wirksame Spiegelbild-Molekül von Citalopram, weshalb die Dosierungen der beiden Wirkstoffe nicht gleichgesetzt werden dürfen.
Entscheidend für die Erwartung ist der zeitliche Verlauf. Die Wirkung setzt verzögert ein; bis eine Veränderung der Stimmung beurteilbar ist, vergehen in der Regel mehrere Wochen. Häufig bessern sich Schlaf und Antrieb früher als die Stimmung, und genau diese Phase gilt als heikel, weil Antrieb vor Stimmung zurückkehrt.
Ein Antidepressivum ist außerdem selten die ganze Behandlung. Bei Depression und Angsterkrankungen gehört die Psychotherapie zum Standard, und die Kombination ist häufig wirksamer als jeder Baustein allein. Wer nur ein Rezept erhält, aber keinen Behandlungsplan, ist nicht ausreichend versorgt.
Nebenwirkungen von Escitalopram
Am häufigsten berichtet werden Übelkeit zu Behandlungsbeginn, Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder umgekehrt Müdigkeit, Mundtrockenheit und vermehrtes Schwitzen. Viele dieser Beschwerden treten in den ersten Wochen auf und lassen später nach.
Eine eigene Erwähnung verdienen sexuelle Funktionsstörungen, also Libidoverlust, verzögerter Orgasmus oder Erektionsstörungen. Sie bilden sich seltener von selbst zurück und sind ein häufiger Grund für einen vorzeitigen Abbruch. Sprechen Sie sie an, statt die Behandlung stillschweigend zu beenden: Dosis oder Präparat lassen sich anpassen.
Weiter beschrieben sind eine Absenkung des Natriumspiegels im Blut, vor allem bei älteren Menschen, ein erhöhtes Blutungsrisiko besonders zusammen mit Schmerzmitteln vom NSAR-Typ oder Gerinnungshemmern sowie eine dosisabhängige Verlängerung der QT-Zeit im EKG. Die formalen Häufigkeitskategorien für jede dieser Wirkungen stehen in der Gebrauchsinformation Ihrer Packung.
Zwei Situationen erfordern sofortige ärztliche Hilfe: Zeichen eines Serotonin-Syndroms mit Unruhe, Muskelzuckungen, Fieber und Verwirrtheit, sowie eine plötzliche Zunahme von Unruhe, innerer Anspannung oder Suizidgedanken. Letzteres kann in den ersten Behandlungswochen und nach jeder Dosisänderung auftreten und betrifft besonders Menschen vor dem 25. Lebensjahr. In einer akuten Krise erreichen Sie rund um die Uhr die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 und unter 116 123; bei unmittelbarer Gefahr wählen Sie 112.
Dosierung und Einnahme
Escitalopram wird einmal täglich eingenommen, unabhängig von den Mahlzeiten. Ob morgens oder abends, richtet sich nach der Verträglichkeit: Wer müde wird, nimmt es abends, wer schlechter schläft, morgens.
Begonnen wird niedrig und erst nach einigen Wochen angepasst, wenn die Wirkung beurteilbar ist. Für ältere Menschen und bei eingeschränkter Leberfunktion gelten niedrigere Höchstmengen. Welche Dosis für Sie richtig ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt; ändern Sie sie nicht selbst.
Ein vergessener Tag wird nicht durch eine doppelte Menge ausgeglichen. Die Behandlung wird auch dann fortgeführt, wenn es Ihnen besser geht, denn die Fortführung über die Besserung hinaus dient der Vorbeugung eines Rückfalls; wie lange, wird individuell festgelegt.
Besonders wichtig ist das Absetzen. Escitalopram wird nicht abrupt beendet, sondern schrittweise ausgeschlichen. Bei zu schnellem Absetzen können Schwindel, Missempfindungen wie kurze Stromstöße, Reizbarkeit, Schlafstörungen und Übelkeit auftreten. Diese Absetzsymptome sind kein Zeichen einer Sucht, sondern eine Umstellungsreaktion; sie lassen sich durch einen langsamen Plan meist vermeiden. Legen Sie diesen Plan mit der Arztpraxis fest, bevor Sie die letzte Packung aufbrauchen.
Ist Escitalopram rezeptfrei?
Nein. Escitalopram ist in Deutschland verschreibungspflichtig, jede Apotheke gibt es nur gegen ärztliche Verordnung ab. Grundlage ist die Arzneimittelverschreibungsverordnung.
Die Gründe sind hier besonders greifbar. Die Behandlung setzt eine Diagnose voraus, die eine bipolare Störung ausschließt, weil ein Antidepressivum allein dort schaden kann. Sie braucht eine Begleitung in den ersten Wochen, in denen Unruhe und Suizidgedanken zunehmen können. Sie setzt die Prüfung von Wechselwirkungen und der QT-Zeit voraus. Und sie braucht einen Plan für das Ausschleichen. Nichts davon lässt sich ohne ärztliche Beteiligung leisten.
Rezeptfrei erhältlich sind hoch dosierte Johanniskraut-Präparate aus der Apotheke, die bei leichten depressiven Verstimmungen angewendet werden. Sie sind kein harmloser Ersatz: Johanniskraut beschleunigt den Abbau vieler Arzneimittel, kann unter anderem die Wirkung hormoneller Verhütung abschwächen und darf mit einem SSRI nicht kombiniert werden, weil das Serotonin-Syndrom droht.
Wer eine wirksame Behandlung ohne Rezept sucht, umgeht die Sicherheitsstruktur, die bei dieser Erkrankung den Unterschied ausmacht.
Preis und Erstattung
Escitalopram ist als Generikum breit verfügbar; der Preis liegt entsprechend niedrig. Auf Kassenrezept trägt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten bis zum Festbetrag; Sie zahlen die gesetzliche Zuzahlung von zehn Prozent des Preises, mindestens fünf und höchstens zehn Euro. Liegt der Preis weit genug unter dem Festbetrag, entfällt die Zuzahlung. Auf einem Privatrezept zahlen Sie den vollen Apothekenpreis, abhängig von Wirkstärke und Packungsgröße.
Unsere eigene Leistung kommt hier nicht hinzu: Antidepressiva beurteilen wir derzeit nicht online, für dieses Arzneimittel entstehen bei uns also keine Kosten.
Wechselwirkungen und Alkohol
Escitalopram darf nicht mit MAO-Hemmern und nicht mit Pimozid kombiniert werden. Ausgeschlossen ist ebenso die Kombination mit anderen Arzneimitteln, die die QT-Zeit verlängern, etwa bestimmten Antiarrhythmika, einigen Antipsychotika und einzelnen Antibiotika.
Das Risiko eines Serotonin-Syndroms steigt zusammen mit anderen serotonerg wirkenden Mitteln: Triptane gegen Migräne, Tramadol, Linezolid, weitere Antidepressiva und Johanniskraut. Mit Lithium und mit Arzneimitteln, die den Natriumspiegel senken, ist ebenfalls Vorsicht geboten. Das Blutungsrisiko nimmt zusammen mit NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac, mit Acetylsalicylsäure und mit Gerinnungshemmern zu.
Alkohol geht mit Escitalopram keine bekannte pharmakokinetische Wechselwirkung ein. Trotzdem wird davon abgeraten: Alkohol verstärkt Müdigkeit und Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit, wirkt selbst stimmungssenkend und erhöht in einer depressiven Episode das Risiko impulsiver Handlungen. Wer trinkt, sollte das ärztlich ansprechen, weil es die Behandlung beeinflusst.
Nennen Sie in der Arztpraxis und in der Apotheke alle Mittel, die Sie einnehmen, ausdrücklich auch rezeptfreie Schmerzmittel und pflanzliche Präparate.
Gegenanzeigen
Escitalopram darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen sonstigen Bestandteil, gleichzeitig mit MAO-Hemmern, gleichzeitig mit Pimozid sowie bei bekannter Verlängerung der QT-Zeit oder angeborenem Long-QT-Syndrom. Ausgeschlossen ist außerdem die gleichzeitige Anwendung anderer Arzneimittel, die die QT-Zeit verlängern.
Besondere Vorsicht ist geboten bei Herzerkrankungen und Elektrolytstörungen, etwa niedrigem Kalium- oder Magnesiumspiegel, weil beides die QT-Zeit zusätzlich beeinflusst. Ebenso bei Epilepsie oder Krampfanfällen in der Vorgeschichte, bei eingeschränkter Leberfunktion, bei erhöhtem Blutungsrisiko, bei Glaukom und bei Diabetes, weil sich die Blutzuckereinstellung ändern kann.
Eine Schlüsselfrage vor Behandlungsbeginn ist, ob eine bipolare Störung vorliegt oder in der Familie vorkommt. Ein Antidepressivum kann dort in eine manische Phase führen; deshalb gehört diese Abklärung an den Anfang und nicht an das Ende.
Während der ersten Behandlungswochen und nach jeder Dosisänderung ist eine engere Beobachtung angezeigt, besonders bei jungen Erwachsenen vor dem 25. Lebensjahr. Maßgeblich bleiben die Gegenanzeigen in der Gebrauchsinformation Ihrer Packung und die ärztliche Beurteilung Ihrer Situation.
Generikum und Original
Das Originalpräparat wurde unter dem Namen Cipralex eingeführt. Nach Ablauf des Patentschutzes gibt es zahlreiche Generika, die meist unter dem Wirkstoffnamen vertrieben werden. Sie müssen Bioäquivalenz nachweisen und enthalten denselben Wirkstoff in derselben Stärke bei vergleichbarer Aufnahme.
Eine Verwechslung ist hier besonders zu vermeiden: Escitalopram und Citalopram sind nicht dasselbe. Escitalopram ist der wirksame Anteil von Citalopram, und die Stärken lassen sich nicht eins zu eins übertragen. Ein Wechsel zwischen beiden ist eine ärztliche Entscheidung, keine Frage der Verfügbarkeit in der Apotheke.
Zwischen Generika desselben Wirkstoffs unterscheiden sich Hilfsstoffe, Tablettenform und Packungsgrößen. Manche Präparate gibt es zusätzlich als Tropfen, was beim Ausschleichen praktisch sein kann. Welches Präparat abgegeben wird, steuern Rabattverträge und die Aut-idem-Regel; soll ein bestimmtes bleiben, kann die Verordnung das Aut-idem-Feld ankreuzen, wofür eine medizinische Begründung nötig ist.
Gerade in dieser Indikation verunsichert ein Herstellerwechsel viele Menschen. Die Wirkung ändert sich dadurch nicht, wohl aber das Aussehen der Tablette. Prüfen Sie nach jedem Wechsel Wirkstoffname und Stärke auf der Packung.
Schwangerschaft und Stillzeit
Anders als bei den Statinen gibt es hier kein pauschales Verbot. Escitalopram kann in Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden, wenn der Nutzen die Risiken überwiegt, und diese Abwägung trifft die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Entscheidend ist, was in der Abwägung häufig übersehen wird: Eine unbehandelte oder wieder auftretende Depression ist selbst ein Risiko für Mutter und Kind. Ein eigenmächtiges Absetzen bei positivem Schwangerschaftstest ist deshalb keine sichere Entscheidung, sondern eine riskante. Besprechen Sie das Vorgehen, statt die Packung wegzustellen.
Bei Anwendung gegen Ende der Schwangerschaft werden vorübergehende Anpassungsstörungen des Neugeborenen beschrieben, etwa Unruhe, Trinkschwäche oder Atemprobleme; die Geburtsklinik sollte darüber informiert sein. Diskutiert wird zudem ein selten auftretender erhöhter Lungenkreislaufdruck des Neugeborenen.
In der Stillzeit gehen geringe Mengen in die Muttermilch über. Auch hier entscheidet die individuelle Abwägung. Für Fragen zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit ist Embryotox die passende, öffentlich zugängliche Anlaufstelle; ersetzt wird dadurch das ärztliche Gespräch nicht.
Beipackzettel und weitere Informationen
Verbindlich sind die Gebrauchsinformation Ihrer Packung und die Fachinformation des Herstellers Ihres Präparats. Weil viele Unternehmen Escitalopram anbieten, unterscheiden sich Hilfsstoffe, Darreichungsformen und Packungsgrößen; maßgeblich ist deshalb immer der Text, der Ihrer Packung beiliegt.
Zum Nachschlagen eignen sich die Wirkstoff- und Präparatedatenbank der Gelben Liste, die Seiten des BfArM mit Zulassungs- und Sicherheitsinformationen einschließlich Rote-Hand-Briefen, das Leitlinienregister der AWMF für die Einordnung der Behandlung und Embryotox für Schwangerschaft und Stillzeit.
Diese Seite fasst allgemein verfügbare Informationen zusammen. Sie ersetzt weder die Gebrauchsinformation noch die ärztliche Beratung, stellt keine Diagnose und ist kein Angebot für ein Arzneimittel.
Zum Schluss der Hinweis, der bei diesem Wirkstoff am wichtigsten ist: Beenden Sie die Einnahme nicht abrupt und nicht ohne Rücksprache, auch dann nicht, wenn es Ihnen gut geht. Und wenn sich Ihr Zustand verschlechtert oder Suizidgedanken auftreten, holen Sie umgehend Hilfe. Die Telefonseelsorge ist unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 und 116 123 rund um die Uhr erreichbar, bei unmittelbarer Gefahr wählen Sie 112.
Ist Escitalopram verschreibungspflichtig?
Ja. Escitalopram ist in Deutschland verschreibungspflichtig und wird nur gegen ärztliche Verordnung abgegeben. Die Behandlung setzt eine Diagnose voraus, die unter anderem eine bipolare Störung ausschließt, eine engere Begleitung in den ersten Wochen, die Prüfung von Wechselwirkungen und einen Plan für das spätere Ausschleichen. Ein rezeptfreies gleichwertiges Präparat gibt es nicht.
Wie schnell wirkt Escitalopram?
Nicht sofort. Bis eine Wirkung auf die Stimmung beurteilbar ist, vergehen in der Regel mehrere Wochen; Schlaf und Antrieb bessern sich häufig früher. Genau diese Phase gilt als kritisch, weil der Antrieb vor der Stimmung zurückkehrt. In den ersten Wochen und nach jeder Dosisänderung können Unruhe, Anspannung oder Suizidgedanken zunehmen, besonders vor dem 25. Lebensjahr. Melden Sie sich in diesem Fall umgehend ärztlich.
Welche Nebenwirkungen sind häufig?
Berichtet werden vor allem Übelkeit zu Beginn, Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Müdigkeit, Mundtrockenheit und Schwitzen; die meisten dieser Beschwerden lassen nach den ersten Wochen nach. Häufig und oft anhaltend sind sexuelle Funktionsstörungen, die ein Gespräch wert sind statt eines stillen Abbruchs. Die formale Häufigkeitseinstufung steht in der Gebrauchsinformation Ihrer Packung.
Darf man Alkohol trinken?
Davon wird abgeraten. Eine bekannte pharmakokinetische Wechselwirkung besteht zwar nicht, doch Alkohol verstärkt Müdigkeit und beeinträchtigt die Aufmerksamkeit, wirkt selbst stimmungssenkend und erhöht in einer depressiven Episode das Risiko impulsiver Handlungen. Wenn Sie regelmäßig trinken, sprechen Sie es an, weil es die Behandlung und ihre Beurteilung verändert.
Kann ich das Folgerezept online anfordern?
Bei uns derzeit nicht. Wir beurteilen Antidepressiva zurzeit nicht online, auch nicht zur Fortführung einer laufenden Behandlung, und es fallen bei uns dafür keine Kosten an. Für ein Folgerezept wenden Sie sich bitte rechtzeitig an Ihre Hausarztpraxis oder an die Praxis, die Sie behandelt.