Medirezept

Mirtazapin: Wirkung, Dosierung und Nebenwirkungen

Mirtazapin ist ein verschreibungspflichtiges Antidepressivum aus der Gruppe der tetrazyklischen Wirkstoffe. Angewendet wird es bei depressiven Erkrankungen, häufig dann, wenn Schlafstörung und Appetitverlust im Vordergrund stehen. Diese Seite fasst zusammen, wofür der Wirkstoff eingesetzt wird, welche unerwünschten Wirkungen bekannt sind, was zu Wechselwirkungen und Alkohol gilt und was bei einer Weiterverordnung zu beachten ist. Sie ersetzt weder die Gebrauchsinformation noch das ärztliche Gespräch.

Wofür wird Mirtazapin angewendet?

Mirtazapin wird zur Behandlung depressiver Erkrankungen bei Erwachsenen angewendet. Der Wirkstoff greift in die Signalübertragung von Noradrenalin und Serotonin im Gehirn ein und wird pharmakologisch als tetrazyklisches Antidepressivum eingeordnet. In der Praxis fällt die Wahl häufig auf Mirtazapin, wenn eine Depression mit ausgeprägter Schlafstörung, innerer Unruhe oder Appetitverlust einhergeht, denn der Wirkstoff wirkt dämpfend und kann den Appetit steigern.

Wichtig ist die Abgrenzung: Mirtazapin ist kein Schlafmittel. Die beruhigende Komponente ist eine Arzneimittelwirkung, die bei der Behandlung einer Depression genutzt werden kann. Eine Anwendung allein gegen Ein- oder Durchschlafstörungen ohne depressive Erkrankung entspricht nicht der Zulassung; über eine Anwendung außerhalb des zugelassenen Anwendungsgebiets entscheidet ausschließlich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Eine medikamentöse Behandlung steht dabei selten allein. Die Leitlinien der Fachgesellschaften sehen je nach Schweregrad Psychotherapie, psychosoziale Maßnahmen und regelmäßige Verlaufskontrollen vor. Welches Vorgehen im Einzelfall sinnvoll ist, lässt sich nur nach persönlicher Untersuchung und Anamnese beurteilen, nicht anhand eines Online-Formulars.

Nebenwirkungen von Mirtazapin

Zu den bekanntesten unerwünschten Wirkungen von Mirtazapin zählen Müdigkeit und Benommenheit, gesteigerter Appetit mit Gewichtszunahme, Mundtrockenheit, Schwindel, Kopfschmerzen sowie Wassereinlagerungen. Die Dämpfung ist zu Beginn der Behandlung meist am stärksten ausgeprägt. Die formalen Häufigkeitsangaben, also die Einstufung jeder einzelnen Nebenwirkung, stehen in der Gebrauchsinformation der Packung und in der Fachinformation; sie werden hier bewusst nicht wiedergegeben.

Als Warnzeichen gelten Beschwerden, die auf eine Störung der Blutbildung hindeuten können: Fieber, Halsschmerzen, Entzündungen der Mundschleimhaut oder auffällige Infektanfälligkeit. In solchen Fällen sollte die Arztpraxis kurzfristig kontaktiert und das Blutbild kontrolliert werden.

Für Antidepressiva gilt außerdem ein eigener Warnhinweis: In den ersten Behandlungswochen und nach jeder Dosisänderung können Unruhe, Angst und Suizidgedanken vorübergehend zunehmen. Am deutlichsten ist dieser Zusammenhang bei Betroffenen vor dem 25. Lebensjahr beschrieben. Angehörige sollten in dieser Phase einbezogen werden. Bei akuten Suizidgedanken ist sofort Hilfe nötig: Notruf 112 oder Telefonseelsorge 0800 1110111.

Dosierung und Einnahme

Die Dosierung von Mirtazapin legt immer die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt individuell fest; eine allgemeingültige Dosis gibt es nicht. In Deutschland sind üblicherweise die Wirkstärken 15 mg, 30 mg und 45 mg im Handel, als Filmtabletten und als Schmelztabletten, die sich auf der Zunge auflösen.

Die Einnahme erfolgt in der Regel abends, weil der Wirkstoff müde macht. Filmtabletten werden unzerkaut mit Flüssigkeit geschluckt, Schmelztabletten ohne Wasser auf die Zunge gelegt. Wird eine Einnahme vergessen, nehmen Sie die nächste Dosis wie geplant und verdoppeln sie nicht.

Zum zeitlichen Verlauf: Die dämpfende, schlaffördernde Komponente ist oft schon in den ersten Tagen spürbar, die stimmungsaufhellende Wirkung setzt typischerweise erst nach mehreren Wochen ein. Deshalb wird der Behandlungserfolg erst nach einem längeren Zeitraum beurteilt und die Behandlung nicht vorschnell beendet.

Mirtazapin darf nicht eigenmächtig abgesetzt oder in der Dosis verändert werden. Ein abruptes Absetzen kann Absetzbeschwerden auslösen; das Ausschleichen wird ärztlich geplant und begleitet.

Ist Mirtazapin rezeptfrei?

Nein. Mirtazapin ist in Deutschland verschreibungspflichtig und nach der Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) nur gegen ärztliche Verordnung in der Apotheke erhältlich. Eine rezeptfreie Packung gibt es weder in der Apotheke vor Ort noch in einer Versandapotheke.

Der Grund dafür ist medizinisch. Die Behandlung setzt eine gesicherte Diagnose voraus, sie erfordert eine Abwägung mit allen weiteren Arzneimitteln, sie beeinflusst Fahrtüchtigkeit und Reaktionsvermögen, und sie braucht eine ärztliche Verlaufskontrolle, unter anderem wegen der beschriebenen Hinweise zu Blutbild und Suizidalität. Diese Kontrolle ist ohne ärztliche Begleitung nicht möglich.

Ohne Rezept erhältlich sind lediglich Präparate aus einem ganz anderen Bereich, etwa pflanzliche Beruhigungsmittel oder apothekenpflichtige Schlafhilfen. Sie behandeln keine Depression und sind kein Ersatz für Mirtazapin.

Angebote aus dem Ausland, die verschreibungspflichtige Antidepressiva ohne Rezept in Aussicht stellen, sind unseriös. Herkunft, Wirkstoffgehalt und Qualität sind dort nicht gesichert, Arzneimittelfälschungen sind ein reales Risiko. Der sichere Weg führt über eine ärztliche Verordnung und eine Apotheke.

Preis und Kosten

Was Mirtazapin kostet, hängt von Wirkstärke, Packungsgröße und Hersteller ab und vor allem davon, ob die Verordnung auf einem Kassenrezept oder auf einem Privatrezept erfolgt. Der Wirkstoff ist seit Langem generisch verfügbar, entsprechend liegen die Arzneimittelkosten im unteren Bereich. Konkrete Beträge nennt Ihnen die Apotheke.

Bei einer Verordnung zu Lasten der gesetzlichen Krankenkasse gilt die gesetzliche Zuzahlung nach dem Fünften Buch Sozialgesetzbuch: zehn Prozent des Abgabepreises, mindestens fünf und höchstens zehn Euro, nie mehr als das Arzneimittel selbst kostet. Wer die individuelle Belastungsgrenze erreicht, kann sich auf Antrag von der Zuzahlung befreien lassen. Für viele Wirkstoffe gelten zusätzlich Festbeträge.

Ein Privatrezept ist davon getrennt zu betrachten: Hier wird der volle Apothekenpreis fällig, und die gesetzliche Krankenkasse erstattet die Arzneimittelkosten in der Regel nicht. Eine ärztliche Beurteilungsgebühr, etwa bei einer Beurteilung aus der Ferne, ist ebenfalls unabhängig von den Arzneimittelkosten und deckt ausschließlich die ärztliche Leistung ab, nicht das Arzneimittel.

Wechselwirkungen und Alkohol

Alkohol und Mirtazapin passen nicht zusammen. Alkohol verstärkt die dämpfende Wirkung, beeinträchtigt Konzentration und Reaktionsvermögen zusätzlich und erhöht die Sturzgefahr. Während der Behandlung wird deshalb von Alkohol abgeraten, besonders in der Einstellungsphase und im Straßenverkehr.

Streng zu beachten ist die Kombination mit MAO-Hemmern: Sie ist nicht zulässig, und zwischen beiden Behandlungen muss ein ärztlich festgelegter zeitlicher Sicherheitsabstand liegen. Werden weitere serotonerg wirkende Arzneimittel eingenommen, etwa SSRI, SNRI, Triptane, Tramadol oder Johanniskraut, steigt das Risiko eines Serotonin-Syndroms mit Unruhe, Fieber, Muskelzuckungen und Verwirrtheit.

Andere dämpfende Mittel wie Benzodiazepine, Schlafmittel oder starke Schmerzmittel verstärken die Müdigkeit. Arzneimittel, die den Abbau über das Enzymsystem CYP3A4 beeinflussen, beispielsweise Carbamazepin, Rifampicin oder bestimmte Antimykotika und Virustatika, können den Mirtazapin-Spiegel senken oder erhöhen.

Bringen Sie zum Termin eine vollständige Liste aller Präparate mit, einschließlich rezeptfreier Mittel und Nahrungsergänzungsmittel. Die Apotheke vor Ort kann diese Liste zusätzlich auf Wechselwirkungen prüfen.

Gegenanzeigen

Mirtazapin darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile sowie nicht gleichzeitig mit MAO-Hemmern. Diese Gegenanzeigen sind in der Fachinformation verbindlich festgelegt.

Besondere Vorsicht und eine engere ärztliche Begleitung sind unter anderem angezeigt bei Krampfanfällen in der Vorgeschichte, bei eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion, bei Herzerkrankungen, niedrigem Blutdruck oder Herzrhythmusstörungen, bei Engwinkelglaukom, bei Blasenentleerungsstörungen etwa infolge einer Prostatavergrößerung, bei Diabetes mellitus wegen der möglichen Appetit- und Gewichtszunahme sowie bei bekannten Blutbildveränderungen.

Bei bipolarer Störung ist zu bedenken, dass Antidepressiva ein Umschlagen in eine manische Phase begünstigen können. Ältere Menschen reagieren häufig empfindlicher auf die dämpfende Wirkung und auf den Blutdruckabfall beim Aufstehen, was die Sturzgefahr erhöht.

Zu Beginn der Behandlung und nach jeder Dosisänderung kann die Verkehrstüchtigkeit eingeschränkt sein. Ob und ab wann Sie ein Fahrzeug führen oder Maschinen bedienen dürfen, klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Generikum oder Original

In Deutschland wird ganz überwiegend generisches Mirtazapin abgegeben, erkennbar an der Bezeichnung aus Wirkstoffnamen und Herstellernamen. Das ursprüngliche Präparat wurde unter dem Markennamen Remergil eingeführt, unter anderem als Schmelztablette.

Der Unterschied liegt nicht im Wirkstoff. Generika müssen dieselbe Menge desselben Wirkstoffs enthalten und ihre Gleichwertigkeit in Bioäquivalenzstudien belegen, bevor sie zugelassen werden. Unterschiede betreffen die sonstigen Bestandteile sowie Größe, Form, Farbe und Darreichungsform: Eine Schmelztablette kann für Menschen mit Schluckbeschwerden praktischer sein. Relevant werden diese Unterschiede vor allem bei Unverträglichkeiten gegenüber Hilfsstoffen wie Laktose oder bestimmten Farbstoffen.

In der Apotheke kann aufgrund von Rabattverträgen ein anderes wirkstoffgleiches Präparat abgegeben werden, sofern die verordnende Person das Ersetzen nicht ausgeschlossen hat. Wundern Sie sich deshalb nicht, wenn die Tablette nach einer neuen Verordnung anders aussieht.

Wenn Sie ein bestimmtes Präparat nicht vertragen haben, teilen Sie das der Arztpraxis und der Apotheke ausdrücklich mit, damit es bei der nächsten Verordnung berücksichtigt werden kann.

Schwangerschaft und Stillzeit

In Schwangerschaft und Stillzeit wird Mirtazapin nur nach einer individuellen ärztlichen Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet. Diese Entscheidung gehört in die Arztpraxis und lässt sich nicht pauschal treffen, denn auch eine unbehandelte Depression stellt für Mutter und Kind ein Risiko dar.

Wichtig ist deshalb: Setzen Sie das Arzneimittel bei festgestellter oder geplanter Schwangerschaft nicht eigenmächtig ab, sondern besprechen Sie das Vorgehen zeitnah ärztlich. Ein abruptes Absetzen kann die Erkrankung verschlechtern und Absetzbeschwerden auslösen.

Die Datenlage zur Anwendung in der Schwangerschaft ist begrenzter als bei manchen anderen Wirkstoffen. Wird bis zur Geburt behandelt, sollte das Neugeborene auf Anpassungsstörungen beobachtet werden; die Geburtsklinik sollte über die Medikation informiert sein. Geringe Wirkstoffmengen gehen in die Muttermilch über, weshalb auch das Stillen individuell besprochen wird.

Eine anerkannte unabhängige Anlaufstelle für Fragen zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit ist das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum Embryotox der Charité in Berlin. Es ersetzt das ärztliche Gespräch nicht, ergänzt es aber gut.

Warum wir Mirtazapin derzeit nicht online beurteilen

Wir beurteilen Antidepressiva derzeit nicht online, auch nicht zur Fortführung einer Behandlung, die eine Ärztin oder ein Arzt bereits eingestellt hat. Auf dieser Seite gibt es deshalb nichts zu bestellen, und es fallen bei uns keine Kosten an. Der Grund liegt in der Art unserer Leistung: Sie füllen einen schriftlichen Fragebogen aus, den eine Ärztin oder ein Arzt getrennt beurteilt - ohne Videosprechstunde und ohne Telefontermin. Bei einem Arzneimittel, dessen Dosis an Stimmung, Schlaf und Verträglichkeit angepasst wird, gehört diese Anpassung in die Hände einer Praxis, die Sie kennt und mit Ihnen sprechen kann. Eine Ersteinstellung gehört ohnehin nicht in ein Formular.

Wenn Ihre Packung Mirtazapin zur Neige geht, wenden Sie sich rechtzeitig an Ihre Hausarztpraxis oder an die Praxis, die Sie behandelt, und setzen Sie das Arzneimittel nicht eigenmächtig ab: abruptes Absetzen kann Absetzsymptome auslösen. Bei akuter Verschlechterung oder Suizidgedanken wenden Sie sich sofort an Ihre Hausarztpraxis oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst, in Notfällen an 112; die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar.

Beipackzettel

Die verbindliche Gebrauchsinformation, umgangssprachlich Beipackzettel, liegt jeder Packung Mirtazapin bei und gehört zum jeweiligen Präparat des jeweiligen Herstellers. Dort stehen die vollständigen Angaben zu Gegenanzeigen, Wechselwirkungen, Warnhinweisen und den formalen Häufigkeitskategorien der Nebenwirkungen. Für medizinische Fachkreise gilt die ausführlichere Fachinformation.

Die aktuellen Texte finden Sie in öffentlich zugänglichen Arzneimitteldatenbanken wie der Gelben Liste sowie bei den jeweiligen Zulassungsinhabern. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) veröffentlicht darüber hinaus Sicherheitsinformationen und Rote-Hand-Briefe.

Lesen Sie den Beipackzettel vor der ersten Anwendung und erneut, wenn sich nach einer neuen Verordnung Hersteller, Wirkstärke oder Darreichungsform geändert haben. Auch bei wirkstoffgleichen Präparaten können sich die sonstigen Bestandteile unterscheiden.

Diese Seite ist eine allgemeine Orientierung und ersetzt weder die Gebrauchsinformation noch das ärztliche Gespräch. Bei Unsicherheiten hilft die Apotheke vor Ort kostenfrei weiter; Fragen zur Behandlung selbst gehören in die Arztpraxis.

Ist Mirtazapin verschreibungspflichtig?

Ja. Mirtazapin ist nach der Arzneimittelverschreibungsverordnung verschreibungspflichtig und nur gegen ärztliche Verordnung in der Apotheke erhältlich. Eine rezeptfreie Abgabe ist in Deutschland nicht zulässig, weder in der Apotheke vor Ort noch in einer Versandapotheke.

Wie schnell wirkt Mirtazapin?

Die dämpfende, schlaffördernde Komponente ist häufig schon in den ersten Tagen spürbar. Die stimmungsaufhellende Wirkung setzt dagegen typischerweise erst nach mehreren Wochen ein. Deshalb beurteilt die Arztpraxis den Behandlungserfolg erst nach einem längeren Zeitraum und beendet die Behandlung nicht vorschnell.

Welche Nebenwirkungen sind häufig?

Bekannt sind vor allem Müdigkeit und Benommenheit, gesteigerter Appetit mit Gewichtszunahme, Mundtrockenheit, Schwindel und Kopfschmerzen. Die formale Einstufung jeder einzelnen Nebenwirkung steht in der Gebrauchsinformation der Packung und in der Fachinformation; sie wird hier bewusst nicht wiedergegeben.

Darf man Alkohol trinken?

Davon wird abgeraten. Alkohol verstärkt die dämpfende Wirkung von Mirtazapin, beeinträchtigt Konzentration und Reaktionsvermögen zusätzlich und erhöht die Sturzgefahr. Besonders in der Einstellungsphase und im Straßenverkehr ist das relevant. Sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt darauf an.

Kann ich das Folgerezept online anfordern?

Bei uns derzeit nicht. Wir beurteilen dieses Arzneimittel zurzeit nicht online, auch nicht zur Fortführung einer bereits laufenden, stabilen Behandlung, und es fallen bei uns dafür keine Kosten an. Wenden Sie sich für ein Folgerezept bitte rechtzeitig an Ihre Hausarztpraxis oder an die Praxis, die Sie behandelt.