Medirezept

Quetiapin: Wirkung, Dosierung und Nebenwirkungen

Quetiapin ist ein verschreibungspflichtiges atypisches Antipsychotikum. Angewendet wird es bei Schizophrenie und bei bipolarer Störung, je nach Darreichungsform auch als Zusatzbehandlung bei depressiven Erkrankungen. Diese Seite erklärt, wofür der Wirkstoff eingesetzt wird, welche unerwünschten Wirkungen bekannt sind, worauf bei Wechselwirkungen und Alkohol zu achten ist und was bei einer Weiterverordnung gilt. Sie ersetzt weder die Gebrauchsinformation noch das ärztliche Gespräch.

Wofür wird Quetiapin angewendet?

Quetiapin wird zur Behandlung der Schizophrenie und der bipolaren Störung angewendet, dort sowohl bei manischen als auch bei depressiven Episoden. Je nach Präparat und Darreichungsform kommt der Wirkstoff außerdem als Zusatzbehandlung bei depressiven Erkrankungen infrage, wenn andere Arzneimittel allein nicht ausreichend wirken. Pharmakologisch zählt Quetiapin zu den atypischen Antipsychotika und wirkt unter anderem auf Dopamin- und Serotoninrezeptoren.

Wichtig ist eine ehrliche Einordnung, die in vielen Suchergebnissen fehlt: Quetiapin ist kein Schlafmittel. Der Wirkstoff wirkt stark dämpfend, und genau deshalb wird er außerhalb der Zulassung gelegentlich in niedriger Dosis gegen Schlafstörungen eingesetzt. Diese Anwendung entspricht nicht dem zugelassenen Anwendungsgebiet, und die bekannten Risiken, etwa auf Herz und Stoffwechsel, bestehen dabei unverändert fort.

Die Behandlung von Schizophrenie und bipolarer Störung gehört in eine dauerhafte fachärztliche Betreuung mit regelmäßigen Kontrollterminen. Welche Behandlung im Einzelfall passt, lässt sich nur nach persönlicher Untersuchung beurteilen, niemals über ein Online-Formular.

Nebenwirkungen von Quetiapin

Zu den bekanntesten unerwünschten Wirkungen von Quetiapin zählen Müdigkeit und Benommenheit, Schwindel beim Aufstehen infolge eines Blutdruckabfalls, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, gesteigerter Appetit sowie Gewichtszunahme. Beschrieben sind außerdem Veränderungen von Blutzucker und Blutfetten, weshalb diese Werte im Verlauf ärztlich kontrolliert werden. Die formale Einstufung jeder einzelnen Nebenwirkung steht in der Gebrauchsinformation und in der Fachinformation und wird hier bewusst nicht wiedergegeben.

Als Warnhinweise gelten unter anderem Bewegungsstörungen wie Muskelsteifigkeit, Zittern oder Bewegungsunruhe, Herzrhythmusstörungen infolge einer Verlängerung des QT-Intervalls sowie Blutbildveränderungen, die sich durch Fieber und Infektanfälligkeit bemerkbar machen können. Treten hohes Fieber, ausgeprägte Muskelsteifigkeit, Verwirrtheit und starkes Schwitzen gemeinsam auf, ist das ein Notfall.

Bei der Anwendung als Zusatzbehandlung einer Depression gilt zusätzlich der allgemeine Warnhinweis für diese Therapie: In den ersten Wochen und nach jeder Dosisänderung können Unruhe und Suizidgedanken vorübergehend zunehmen, am deutlichsten vor dem 25. Lebensjahr. Bei akuten Suizidgedanken sofort Hilfe holen: Notruf 112 oder Telefonseelsorge 0800 1110111.

Dosierung und Einnahme

Die Dosierung von Quetiapin legt ausschließlich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt fest, und sie unterscheidet sich je nach Erkrankung deutlich. Eine allgemeingültige Angabe gibt es deshalb nicht und wäre hier auch nicht seriös. Die Dosis wird in der Regel einschleichend gesteigert, um den Blutdruckabfall und die Müdigkeit zu Beginn abzumildern.

Es gibt zwei Darreichungsformen mit unterschiedlichem Einnahmerhythmus: schnell freisetzende Tabletten und Retardtabletten mit verlängerter Wirkstofffreisetzung, häufig als Zusatz Prolong gekennzeichnet. Retardtabletten dürfen nicht zerkaut oder zerkleinert werden, weil sonst die Freisetzung unkontrolliert erfolgt. Die Einnahme erfolgt oft abends, weil der Wirkstoff müde macht.

Beide Formen sind nicht ohne Weiteres gegeneinander austauschbar. Ein Wechsel zwischen schnell freisetzender Tablette und Retardtablette gehört in ärztliche Hand.

Quetiapin darf nicht eigenmächtig abgesetzt oder in der Dosis verändert werden. Ein abruptes Absetzen kann Absetzbeschwerden wie Übelkeit, Schlafstörungen und Unruhe auslösen und einen Rückfall begünstigen; das Ausschleichen wird ärztlich geplant.

Ist Quetiapin rezeptfrei?

Nein. Quetiapin ist in Deutschland verschreibungspflichtig und nach der Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) nur gegen ärztliche Verordnung in der Apotheke erhältlich. Eine rezeptfreie Abgabe ist ausgeschlossen, in der Apotheke vor Ort ebenso wie in einer Versandapotheke.

Das hat einen klaren medizinischen Grund. Die Behandlung setzt eine gesicherte psychiatrische Diagnose voraus und erfordert eine Verlaufskontrolle, die weit über das Rezept hinausgeht: Gewicht, Blutdruck, Blutzucker, Blutfette und je nach Situation ein EKG. Diese Kontrollen sind ohne ärztliche Begleitung nicht möglich.

Es gibt kein rezeptfreies Präparat mit vergleichbarer Wirkung. Rezeptfreie Beruhigungs- oder Schlafhilfen aus der Apotheke gehören einer völlig anderen Wirkstoffgruppe an und sind kein Ersatz.

Angebote, die Quetiapin ohne Rezept in Aussicht stellen, sind unseriös und riskant: Herkunft, Wirkstoffgehalt und Qualität sind dort nicht gesichert, und die notwendige ärztliche Überwachung entfällt vollständig. Wenn Sie derzeit keine ärztliche Anbindung haben, ist die Hausarztpraxis der richtige erste Ansprechpartner für eine Überweisung.

Preis und Kosten

Was Quetiapin kostet, hängt von Wirkstärke, Packungsgröße, Darreichungsform und Hersteller ab sowie davon, ob die Verordnung auf einem Kassenrezept oder auf einem Privatrezept erfolgt. Der Wirkstoff ist generisch verfügbar, Retardtabletten liegen preislich in der Regel über den schnell freisetzenden Tabletten. Konkrete Beträge nennt Ihnen die Apotheke.

Bei einer Verordnung zu Lasten der gesetzlichen Krankenkasse greift die gesetzliche Zuzahlung nach dem Fünften Buch Sozialgesetzbuch: zehn Prozent des Abgabepreises, mindestens fünf und höchstens zehn Euro, nie mehr als das Arzneimittel selbst kostet. Wer die individuelle Belastungsgrenze erreicht, kann sich auf Antrag von der Zuzahlung befreien lassen. Für zahlreiche Wirkstoffe gelten zusätzlich Festbeträge; liegt der Preis darüber, trägt die Differenz die versicherte Person.

Auf einem Privatrezept wird der volle Apothekenpreis fällig, und die gesetzliche Krankenkasse erstattet die Arzneimittelkosten in der Regel nicht. Eine ärztliche Beurteilungsgebühr ist davon unabhängig: Sie deckt ausschließlich die ärztliche Leistung ab, nicht das Arzneimittel.

Wechselwirkungen und Alkohol

Alkohol sollte während der Behandlung mit Quetiapin gemieden werden. Er verstärkt die ohnehin ausgeprägte Dämpfung, erhöht die Sturzgefahr und beeinträchtigt Reaktionsvermögen und Fahrtüchtigkeit zusätzlich. Das gilt besonders in der Einstellungsphase und nach jeder Dosisänderung.

Quetiapin wird überwiegend über das Enzymsystem CYP3A4 abgebaut. Starke Hemmstoffe dieses Systems, etwa bestimmte Antimykotika, Makrolid-Antibiotika oder HIV-Proteasehemmer, können den Wirkstoffspiegel erheblich erhöhen; die gleichzeitige Anwendung ist laut Fachinformation nicht zulässig. Umgekehrt können starke Induktoren wie Carbamazepin, Phenytoin, Rifampicin oder Johanniskraut die Wirkung abschwächen. Auch Grapefruitsaft kann den Abbau beeinflussen.

Vorsicht ist ebenfalls geboten bei Arzneimitteln, die das QT-Intervall verlängern, sowie bei weiteren dämpfenden Mitteln wie Benzodiazepinen, Schlafmitteln oder starken Schmerzmitteln. Auch Blutdrucksenker können die Kreislaufwirkung verstärken.

Legen Sie der Arztpraxis und der Apotheke eine vollständige Liste aller Präparate vor, einschließlich rezeptfreier Mittel und pflanzlicher Produkte. Gerade Johanniskraut wird dabei oft vergessen.

Gegenanzeigen

Quetiapin darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile sowie bei gleichzeitiger Anwendung starker CYP3A4-Hemmer, weil dabei der Wirkstoffspiegel unkontrolliert ansteigen kann. Die verbindliche Aufstellung enthält die Fachinformation des jeweiligen Präparats.

Besondere Vorsicht und eine engere ärztliche Überwachung sind unter anderem angezeigt bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bekannter QT-Verlängerung oder Herzrhythmusstörungen, bei niedrigem Blutdruck, bei Diabetes mellitus oder erhöhten Blutfetten, bei Lebererkrankungen, bei Krampfanfällen in der Vorgeschichte, bei Blutbildveränderungen sowie bei Schluckstörungen.

Ältere Menschen mit Demenz stellen eine besondere Gruppe dar: Für Antipsychotika ist in dieser Gruppe ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle und Sterblichkeit beschrieben, weshalb eine Anwendung dort besonders streng geprüft wird.

Zu Beginn der Behandlung und nach jeder Dosisänderung kann die Verkehrstüchtigkeit deutlich eingeschränkt sein. Ob Sie ein Fahrzeug führen oder Maschinen bedienen dürfen, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt und nicht das eigene Gefühl.

Generikum oder Original

In Deutschland wird ganz überwiegend generisches Quetiapin abgegeben, erkennbar an der Bezeichnung aus Wirkstoffnamen und Herstellernamen. Das ursprüngliche Präparat wurde unter dem Markennamen Seroquel eingeführt, die Retardform unter der Bezeichnung Seroquel Prolong.

Der Wirkstoff ist derselbe. Generika müssen dieselbe Menge desselben Wirkstoffs enthalten und ihre Gleichwertigkeit in Bioäquivalenzstudien belegen. Unterschiede betreffen die sonstigen Bestandteile sowie Größe, Form und Farbe der Tablette. Wesentlich ist dagegen die Unterscheidung zwischen schnell freisetzender Tablette und Retardtablette: Das sind unterschiedliche Darreichungsformen mit unterschiedlichem Einnahmerhythmus, nicht bloß Varianten desselben Produkts.

In der Apotheke kann aufgrund von Rabattverträgen ein anderes wirkstoffgleiches Präparat abgegeben werden, sofern die verordnende Person das Ersetzen nicht ausgeschlossen hat. Die Retardform wird dabei nicht gegen eine schnell freisetzende Form getauscht.

Wenn Sie ein bestimmtes Präparat nicht vertragen haben, sagen Sie das der Arztpraxis und der Apotheke ausdrücklich, damit es bei der nächsten Verordnung berücksichtigt wird.

Schwangerschaft und Stillzeit

In Schwangerschaft und Stillzeit wird Quetiapin nur nach einer individuellen ärztlichen Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet. Diese Abwägung gehört in die behandelnde Praxis, denn eine unbehandelte Schizophrenie oder bipolare Störung stellt für Mutter und Kind ebenfalls ein erhebliches Risiko dar.

Entscheidend ist deshalb: Setzen Sie das Arzneimittel bei festgestellter oder geplanter Schwangerschaft nicht eigenmächtig ab. Ein abruptes Absetzen kann einen Rückfall auslösen. Suchen Sie stattdessen zeitnah die Arztpraxis auf, damit die Behandlung gemeinsam angepasst werden kann.

Bei einer Anwendung im letzten Schwangerschaftsdrittel sind beim Neugeborenen Anpassungsstörungen beschrieben, etwa Unruhe, Zittern, Trinkschwäche oder Atemprobleme. Die Geburtsklinik sollte deshalb über die Medikation informiert sein, damit das Kind entsprechend beobachtet werden kann. Wirkstoff geht in die Muttermilch über, weshalb auch das Stillen individuell besprochen wird.

Eine anerkannte unabhängige Anlaufstelle für Arzneimittelfragen in Schwangerschaft und Stillzeit ist das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum Embryotox der Charité in Berlin; es ergänzt das ärztliche Gespräch, ersetzt es aber nicht.

Warum wir Quetiapin derzeit nicht online beurteilen

Wir beurteilen Antipsychotika derzeit nicht online, auch nicht zur Fortführung einer Behandlung, die eine Ärztin oder ein Arzt bereits eingestellt hat. Auf dieser Seite gibt es deshalb nichts zu bestellen, und es fallen bei uns keine Kosten an. Der Grund liegt in der Art unserer Leistung: Sie füllen einen schriftlichen Fragebogen aus, den eine Ärztin oder ein Arzt getrennt beurteilt - ohne Videosprechstunde und ohne Telefontermin. Quetiapin erfordert zudem eine fachärztliche Begleitung und Laborkontrollen von Gewicht, Blutzucker und Blutfetten; ein schriftlicher Fragebogen ersetzt weder das eine noch das andere. Eine Ersteinstellung gehört ohnehin nicht in ein Formular.

Wenn Ihre Packung Quetiapin zur Neige geht, wenden Sie sich rechtzeitig an Ihre Hausarztpraxis oder an die Praxis, die Sie behandelt, und setzen Sie das Arzneimittel nicht eigenmächtig ab: abruptes Absetzen kann Absetzsymptome auslösen. Bei akuter Verschlechterung oder Suizidgedanken wenden Sie sich sofort an Ihre Hausarztpraxis oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst, in Notfällen an 112; die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar.

Beipackzettel

Die verbindliche Gebrauchsinformation, umgangssprachlich Beipackzettel, liegt jeder Packung Quetiapin bei und gilt für das jeweilige Präparat des jeweiligen Herstellers. Achten Sie darauf, ob die Packung eine schnell freisetzende Tablette oder eine Retardtablette enthält, denn die Einnahmehinweise unterscheiden sich. Für medizinische Fachkreise gilt die ausführlichere Fachinformation.

Die aktuellen Texte finden Sie in öffentlich zugänglichen Arzneimitteldatenbanken wie der Gelben Liste sowie bei den jeweiligen Zulassungsinhabern. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) veröffentlicht ergänzend Sicherheitsinformationen und Rote-Hand-Briefe.

Lesen Sie den Beipackzettel vor der ersten Anwendung und erneut, wenn sich nach einer neuen Verordnung Hersteller, Wirkstärke oder Darreichungsform geändert haben. Dort stehen auch die vollständigen Angaben zu Gegenanzeigen, Wechselwirkungen und den formalen Häufigkeitskategorien der Nebenwirkungen.

Diese Seite ist eine allgemeine Orientierung und ersetzt weder die Gebrauchsinformation noch das ärztliche Gespräch. Bei Unsicherheiten hilft die Apotheke vor Ort kostenfrei weiter; Fragen zur laufenden Behandlung gehören in die Arztpraxis.

Ist Quetiapin verschreibungspflichtig?

Ja. Quetiapin ist nach der Arzneimittelverschreibungsverordnung verschreibungspflichtig und nur gegen ärztliche Verordnung in der Apotheke erhältlich. Eine rezeptfreie Abgabe ist in Deutschland nicht zulässig. Die Behandlung erfordert zudem regelmäßige ärztliche Kontrollen von Gewicht, Blutdruck und Laborwerten.

Wie schnell wirkt Quetiapin?

Die dämpfende Wirkung ist meist schon nach den ersten Einnahmen spürbar. Die eigentliche Wirkung auf die Erkrankung baut sich dagegen über Tage bis Wochen auf und wird ärztlich im Verlauf beurteilt. Ein Ausbleiben der Wirkung in den ersten Tagen ist deshalb kein Grund, die Dosis selbst zu verändern.

Welche Nebenwirkungen sind häufig?

Bekannt sind vor allem Müdigkeit, Schwindel beim Aufstehen, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, gesteigerter Appetit und Gewichtszunahme sowie Veränderungen von Blutzucker und Blutfetten. Die formale Einstufung jeder einzelnen Nebenwirkung steht in der Gebrauchsinformation der Packung und in der Fachinformation.

Darf man Alkohol trinken?

Alkohol sollte während der Behandlung gemieden werden. Er verstärkt die ausgeprägte Dämpfung durch Quetiapin, erhöht die Sturzgefahr und beeinträchtigt Reaktionsvermögen und Fahrtüchtigkeit zusätzlich. Besonders in der Einstellungsphase und nach Dosisänderungen ist das relevant.

Kann ich das Folgerezept online anfordern?

Bei uns derzeit nicht. Wir beurteilen dieses Arzneimittel zurzeit nicht online, auch nicht zur Fortführung einer bereits laufenden, stabilen Behandlung, und es fallen bei uns dafür keine Kosten an. Wenden Sie sich für ein Folgerezept bitte rechtzeitig an Ihre Hausarztpraxis oder an die Praxis, die Sie behandelt.