Schilddrüsenunterfunktion: Symptome, Werte, Behandlung
Müdigkeit, Frieren, Gewichtszunahme und trockene Haut sind die bekanntesten Zeichen einer Schilddrüsenunterfunktion. Diese Seite erklärt, welche Beschwerden wirklich dazugehören, welche Blutwerte entscheidend sind, wie mit Levothyroxin behandelt wird, worauf bei der Einnahme zu achten ist und welche Situationen sofort ärztlich abgeklärt gehören.
Woran erkenne ich eine Schilddrüsenunterfunktion?
Eine Hypothyreose macht sich durch eine allgemeine Verlangsamung des Stoffwechsels bemerkbar: anhaltende Müdigkeit und Antriebsarmut, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme trotz unveränderter Ernährung, trockene Haut, brüchige Haare und Nägel sowie Verstopfung.
Häufig kommen Konzentrationsstörungen, gedrückte Stimmung, Muskelschwäche oder Muskelkrämpfe, ein langsamer Puls, geschwollene Augenlider, Heiserkeit und bei Frauen Zyklusstörungen oder ein unerfüllter Kinderwunsch hinzu. Die Beschwerden entwickeln sich meist über Monate, weshalb viele Betroffene sie zunächst dem Alltag, dem Alter oder Stress zuschreiben.
Entscheidend ist: Keines dieser Zeichen ist beweisend. Müdigkeit und Gewichtszunahme haben viele Ursachen, von Eisenmangel und Schlafapnoe über eine Depression bis zu einer beginnenden Herzschwäche. Umgekehrt kann eine leichte Unterfunktion völlig beschwerdefrei verlaufen und nur im Labor auffallen. Deshalb wird eine Hypothyreose nicht anhand der Symptome diagnostiziert, sondern über eine Blutuntersuchung, ergänzt durch die körperliche Untersuchung und bei Bedarf eine Ultraschalluntersuchung des Halses.
Welche Blutwerte sind entscheidend?
Der wichtigste Wert ist das TSH, das Steuerhormon aus der Hirnanhangsdrüse. Ist die Schilddrüse zu wenig aktiv, steigt das TSH an, weil der Körper die Drüse stärker antreibt. Ein erhöhtes TSH ist damit der empfindlichste erste Hinweis auf eine Unterfunktion.
Je nach Labor liegt der Referenzbereich etwa zwischen 0,4 und 4,0 Milliunits pro Liter; maßgeblich ist immer der auf dem Befund angegebene Bereich des jeweiligen Labors. Bei einem auffälligen TSH wird das freie Thyroxin, das fT4, bestimmt. Ist das TSH erhöht und das fT4 erniedrigt, liegt eine manifeste Unterfunktion vor. Ist das TSH erhöht und das fT4 noch normal, spricht man von einer latenten oder subklinischen Hypothyreose, die nicht in jedem Fall behandelt werden muss.
Zur Ursachenklärung werden Antikörper gegen die Schilddrüsenperoxidase, die TPO-Antikörper, bestimmt; sie sind bei einer Hashimoto-Thyreoiditis meist erhöht. Ein einzelner grenzwertiger Wert rechtfertigt keine Dauerbehandlung: Ein leicht erhöhtes TSH sollte nach einigen Wochen kontrolliert werden, weil es auch durch Infekte, Medikamente oder Erholung nach einer Erkrankung vorübergehend ansteigen kann.
Was sind die Ursachen einer Unterfunktion?
Häufigste Ursache in Deutschland ist die Hashimoto-Thyreoiditis, eine chronische Entzündung, bei der das Immunsystem Schilddrüsengewebe angreift und die Hormonproduktion über Jahre langsam abnimmt. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.
Weitere Ursachen sind die operative Entfernung von Schilddrüsengewebe, eine Radiojodtherapie oder eine Bestrahlung im Halsbereich, angeborene Störungen sowie ein ausgeprägter Jodmangel, der weltweit die führende Ursache ist, in Deutschland durch jodiertes Speisesalz aber selten geworden ist.
Auch Medikamente können eine Unterfunktion auslösen, etwa Lithium, Amiodaron, jodhaltige Kontrastmittel und bestimmte Krebstherapien. Vorübergehend tritt eine Unterfunktion nach einer Entzündung der Schilddrüse oder nach einer Geburt auf, die Postpartum-Thyreoiditis, die sich häufig von selbst zurückbildet. Selten liegt die Störung nicht in der Schilddrüse, sondern in der Hirnanhangsdrüse; dann ist das TSH nicht erhöht, sondern niedrig oder normal bei erniedrigtem fT4. Deshalb gehört die Einordnung der Werte in ärztliche Hand und nicht in eine Tabelle aus dem Internet.
Wie wird eine Schilddrüsenunterfunktion behandelt?
Behandelt wird mit Levothyroxin, einer synthetischen Form des körpereigenen Hormons Thyroxin. Ziel ist es, den Mangel auszugleichen und das TSH in den Zielbereich zu bringen; die Dosis wird individuell nach Körpergewicht, Alter, Herzerkrankungen und Laborwerten festgelegt.
Die Einnahme entscheidet über den Erfolg: Levothyroxin wird morgens nüchtern eingenommen, mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück, mit einem Glas Wasser. Kaffee, Milch und Sojaprodukte verringern die Aufnahme. Ein Abstand von mehreren Stunden ist einzuhalten zu Präparaten mit Kalzium, Eisen oder Magnesium, zu Antazida sowie zu bestimmten Cholesterinsenkern. Auch Protonenpumpenhemmer können die Aufnahme beeinflussen.
Bei älteren Menschen und bei bekannter Herzerkrankung wird niedrig begonnen und langsam gesteigert. Die erste Laborkontrolle erfolgt üblicherweise nach sechs bis acht Wochen, danach in größeren Abständen. Ein Präparatewechsel sollte nicht ohne erneute Kontrolle erfolgen, weil sich die Aufnahme leicht unterscheiden kann. Nicht behandelt wird nach Gefühl: Weder eine eigenmächtige Dosiserhöhung zur Gewichtsabnahme noch das Absetzen bei Besserung sind sinnvoll, beides ist riskant.
Warnzeichen: wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Eine unbehandelte schwere Unterfunktion kann in ein Myxödemkoma übergehen, einen seltenen, aber lebensbedrohlichen Zustand. Rufen Sie sofort den Notruf 112 bei ausgeprägter Verlangsamung, Verwirrtheit oder Bewusstseinstrübung, Unterkühlung, sehr langsamem Puls, flacher Atmung oder starker Schwäche bei bekannter Schilddrüsenerkrankung, besonders nach einem Infekt, einer Operation oder in sehr kalter Umgebung.
Ebenfalls sofort ärztlich abgeklärt gehören Zeichen einer Überdosierung der Hormone: Herzrasen, unregelmäßiger Puls, Zittern, starkes Schwitzen, innere Unruhe, Schlaflosigkeit, Gewichtsverlust oder Brustschmerz. Bei Vorhofflimmern oder Brustenge gilt der Notruf 112.
Zeitnah, also innerhalb weniger Tage, in eine Arztpraxis gehören: ein rasch wachsender Knoten am Hals, neu aufgetretene Heiserkeit, Schluckstörungen, ein Enge- oder Druckgefühl am Hals sowie Luftnot im Liegen. Frauen mit bekannter Unterfunktion, die schwanger sind oder eine Schwangerschaft planen, sollten sich umgehend melden: Der Hormonbedarf steigt in der Schwangerschaft deutlich, und eine unzureichende Behandlung kann die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen.
Kinderwunsch und Schwangerschaft
In der Schwangerschaft steigt der Bedarf an Schilddrüsenhormonen früh und deutlich an, weil das Kind in den ersten Monaten vollständig auf die mütterlichen Hormone angewiesen ist. Eine bestehende Behandlung wird deshalb nicht abgesetzt, sondern in aller Regel angepasst.
Frauen mit bekannter Hypothyreose sollten sich bereits bei Kinderwunsch ärztlich vorstellen und nach dem positiven Test umgehend melden. Üblich sind engmaschigere Kontrollen des TSH und eine frühzeitige Dosisanpassung. Auch eine bisher unbehandelte latente Unterfunktion sowie erhöhte TPO-Antikörper werden in dieser Situation anders bewertet als außerhalb einer Schwangerschaft.
Eine unbehandelte oder unzureichend behandelte Unterfunktion erhöht das Risiko für Fehlgeburt, Frühgeburt und Entwicklungsstörungen des Kindes. Umgekehrt ist eine korrekt eingestellte Behandlung mit Levothyroxin in Schwangerschaft und Stillzeit etabliert. Ergänzend wird in Deutschland eine Jodzufuhr in Schwangerschaft und Stillzeit empfohlen; ob und in welcher Menge ein Jodpräparat für Sie geeignet ist, klärt die betreuende Praxis, insbesondere bei einer Hashimoto-Thyreoiditis.
Jod, Selen und Ernährung: was belegt ist
Bei einer Unterfunktion durch Hashimoto-Thyreoiditis ersetzt keine Ernährungsform die Hormonbehandlung. Eine ausgewogene Ernährung mit jodiertem Speisesalz, Seefisch und Milchprodukten deckt den normalen Jodbedarf; hochdosierte Jodpräparate oder Algenprodukte können eine bestehende Autoimmunerkrankung dagegen ungünstig beeinflussen und gehören nicht in die Selbstmedikation.
Selen wird häufig empfohlen. Studien zeigen, dass Selen die TPO-Antikörper senken kann; ein belegter Nutzen für Beschwerden, für den Hormonbedarf oder für den Verlauf der Erkrankung ist daraus jedoch nicht ableitbar. Eine dauerhafte hochdosierte Einnahme ist nicht unbedenklich und sollte ärztlich besprochen werden.
Sinnvoll und nachweislich wirksam sind dagegen einfache Dinge: die zuverlässige nüchterne Einnahme des Präparats, das Einhalten der Abstände zu Kalzium-, Eisen- und Magnesiumpräparaten sowie zu Kaffee und Milch, ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung und das Wahrnehmen der Kontrolltermine. Glutenfreie Ernährung ohne nachgewiesene Zöliakie, Entgiftungskuren oder der Verzicht auf Kohlgemüse haben in diesem Zusammenhang keinen belegten Nutzen.
Wie lange muss ich Levothyroxin nehmen?
Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis, nach Entfernung der Schilddrüse oder nach einer Radiojodtherapie ist die Behandlung in aller Regel dauerhaft, meist lebenslang. Der Grund ist einfach: Ersetzt wird ein Hormon, das der Körper nicht mehr ausreichend selbst herstellt.
Die Dosis bleibt dabei nicht zwangsläufig gleich. Sie ändert sich mit dem Körpergewicht, in der Schwangerschaft, im höheren Lebensalter, bei neuen Begleitmedikamenten und bei fortschreitendem Verlust von Schilddrüsengewebe. Deshalb gehören regelmäßige Kontrollen des TSH dazu, im stabilen Zustand üblicherweise einmal jährlich, bei Änderungen früher.
Vorübergehend ist eine Behandlung dagegen bei einer Unterfunktion nach einer Schilddrüsenentzündung oder nach einer Geburt, wo sich die Funktion häufig erholt. Ob und wann ein Auslassversuch sinnvoll ist, entscheidet die behandelnde Praxis anhand von Ursache, Verlauf und Werten. Eigenmächtiges Absetzen führt dagegen zu einer schleichenden Rückkehr der Beschwerden, die anfangs kaum auffällt, und ist bei bestehendem Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft besonders riskant.
Ab welchem TSH-Wert liegt eine Unterfunktion vor?
Maßgeblich ist der Referenzbereich Ihres Labors, häufig etwa 0,4 bis 4,0 Milliunits pro Liter. Ein erhöhtes TSH mit erniedrigtem freien Thyroxin bedeutet eine manifeste Unterfunktion, ein erhöhtes TSH bei normalem fT4 eine latente Form, die nicht in jedem Fall behandelt wird. Einzelwerte werden vor einer Dauerbehandlung kontrolliert.
Ist Levothyroxin rezeptfrei erhältlich?
Nein. Levothyroxin ist in Deutschland verschreibungspflichtig. Das hat einen medizinischen Grund: Die Dosis wird individuell nach Laborwerten, Alter und Herzerkrankungen festgelegt, und eine zu hohe Dosis kann Herzrhythmusstörungen und Knochenschwund verursachen. Eine Selbstbehandlung ohne Laborkontrolle ist nicht vertretbar.
Wann und wie nehme ich Levothyroxin richtig ein?
Morgens nüchtern, mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück, mit einem Glas Wasser. Kaffee, Milch und Sojaprodukte verringern die Aufnahme. Zu Präparaten mit Kalzium, Eisen oder Magnesium, zu Antazida und zu bestimmten Cholesterinsenkern sollte ein Abstand von mehreren Stunden eingehalten werden.
Nehme ich durch eine Unterfunktion zu, und hilft mehr Hormon beim Abnehmen?
Eine unbehandelte Unterfunktion führt oft zu einigen Kilogramm Gewichtszunahme, überwiegend durch Wassereinlagerung, die sich unter korrekter Behandlung zurückbildet. Eine über den Bedarf hinaus erhöhte Dosis ist kein Mittel zur Gewichtsabnahme: Sie belastet Herz und Knochen und kann Vorhofflimmern und Osteoporose begünstigen.
Muss ich in der Schwangerschaft etwas ändern?
Ja, und zwar früh. Der Hormonbedarf steigt bereits in den ersten Wochen. Melden Sie sich unmittelbar nach dem positiven Test in Ihrer Praxis; üblich sind engmaschigere TSH-Kontrollen und eine Dosisanpassung. Setzen Sie das Präparat keinesfalls eigenständig ab, auch nicht kurzzeitig.
Bringt Selen bei Hashimoto etwas?
Selen kann die TPO-Antikörper senken, ein belegter Nutzen für Beschwerden, Hormonbedarf oder Krankheitsverlauf ergibt sich daraus jedoch nicht. Eine dauerhafte hochdosierte Einnahme ist nicht unbedenklich. Besprechen Sie Nahrungsergänzungsmittel ärztlich, insbesondere hochdosiertes Jod und Algenprodukte, die bei Hashimoto ungünstig sein können.