Tadalafil bei Erektionsstörungen und Prostatabeschwerden
Tadalafil ist ein verschreibungspflichtiger Wirkstoff aus der Gruppe der PDE-5-Hemmer. Zugelassen ist er bei erektiler Dysfunktion und in der Stärke 5 mg zusätzlich bei Beschwerden durch eine gutartig vergrößerte Prostata. Hier lesen Sie, was die Produktinformation zu Einnahme, Wirkdauer, Gegenanzeigen und Nebenwirkungen sagt und wann ein Fragebogen nicht ausreicht; den Überblick über das ganze Thema bietet der Bereich Männergesundheit.
Wofür Tadalafil zugelassen ist
Tadalafil ist zur Behandlung der erektilen Dysfunktion bei erwachsenen Männern zugelassen, also wenn eine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion nicht zustande kommt oder nicht lange genug anhält. Die Stärke 5 mg hat ein zweites Anwendungsgebiet, das benigne Prostatasyndrom. Gemeint sind Beschwerden durch eine gutartig vergrößerte Prostata wie Schwierigkeiten beim Wasserlassen, das Gefühl einer nicht ganz entleerten Blase und häufiger Harndrang, auch nachts. Bei diesen beiden Anwendungsgebieten ist Tadalafil weder für Frauen noch für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren bestimmt.
Der Wirkstoff hemmt das Enzym Phosphodiesterase 5. Bei sexueller Stimulation steigt dadurch im Schwellkörper der Botenstoff cGMP, die glatte Muskulatur entspannt sich und Blut kann einströmen. Ohne sexuelle Stimulation wirkt Tadalafil bei Erektionsstörungen nicht. In Prostata und Blase verbessert die gleiche Hemmung die Durchblutung und entspannt die Muskulatur, was die Beschwerden beim Wasserlassen verringern kann. Tadalafil ist der Wirkstoff des Originalpräparats Cialis; daneben sind in Deutschland zahlreiche Präparate anderer Hersteller zugelassen.
Dosierung laut Fachinformation
Welche Stärke infrage kommt, hängt vom Anwendungsgebiet ab und davon, ob Tadalafil bei Bedarf oder täglich eingenommen wird. Die Tabelle gibt die Angaben der Fachinformation wieder; die Dosis für Sie legt der verordnende Arzt fest. Die ganze Tablette wird mit etwas Wasser geschluckt, unabhängig von den Mahlzeiten. Für ältere Männer und für Männer mit Diabetes sieht die Fachinformation keine Dosisanpassung vor.
| Situation | Angabe der Fachinformation |
|---|---|
| Erektile Dysfunktion, Einnahme bei Bedarf | im Allgemeinen 10 mg, mindestens 30 Minuten vor der erwarteten sexuellen Aktivität; reicht die Wirkung nicht, können 20 mg versucht werden; höchstens einmal täglich |
| Erektile Dysfunktion, tägliche Einnahme | bei erwarteter sehr häufiger Anwendung (etwa mindestens zweimal pro Woche) 5 mg einmal täglich zur etwa gleichen Tageszeit, je nach Verträglichkeit 2,5 mg; die tägliche Einnahme soll regelmäßig überprüft werden |
| Benignes Prostatasyndrom, auch zusammen mit erektiler Dysfunktion | 5 mg einmal täglich zur etwa gleichen Tageszeit; für 2,5 mg ist die Wirksamkeit bei diesem Anwendungsgebiet nicht gezeigt |
| Schwere Nierenfunktionsstörung | bei Bedarf höchstens 10 mg; die tägliche Einnahme wird nicht empfohlen |
| Leberfunktionsstörung | bei Bedarf 10 mg; zu höheren Dosen und zur täglichen Einnahme fehlen Daten, deshalb sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung |
Wie lange Tadalafil wirkt
Laut Gebrauchsinformation wird Tadalafil bei Bedarf mindestens 30 Minuten vor der sexuellen Aktivität eingenommen und kann noch bis zu 36 Stunden nach der Einnahme wirken. Die höchste Konzentration im Blut ist meist nach etwa 2 Stunden erreicht, die mittlere Halbwertszeit beträgt bei gesunden Probanden 17,5 Stunden. Bei täglicher Einnahme stellt sich innerhalb von fünf Tagen ein gleichbleibender Spiegel ein.
Weil Tadalafil lange im Körper bleibt, hält auch die Wechselwirkung mit Nitraten lange an: In einer Studie war die verstärkte Blutdrucksenkung mehr als 24 Stunden nachweisbar und erst 48 Stunden nach der letzten Einnahme nicht mehr. Die Fachinformation sieht deshalb vor, dass ein Nitrat in einer lebensbedrohlichen Lage frühestens 48 Stunden nach der letzten Tablette erwogen wird, und dann nur unter enger ärztlicher Überwachung. Sagen Sie bei Brustschmerzen dem Rettungsdienst oder in der Notaufnahme deshalb, dass und wann Sie Tadalafil eingenommen haben.
Wann Tadalafil nicht eingenommen werden darf
Die folgenden Gegenanzeigen stehen in Abschnitt 4.3 der Fachinformation. Für Tadalafil gilt wie für alle PDE-5-Hemmer: Mit Nitraten oder mit Riociguat darf es nicht kombiniert werden, weil der Blutdruck gefährlich abfallen kann.
- Einnahme organischer Nitrate in jeglicher Form oder von Stickstoffmonoxid-Donatoren wie Amylnitrit, etwa gegen Angina pectoris
- Behandlung mit Riociguat, einem Mittel gegen Lungenhochdruck
- Herzinfarkt in den vorangegangenen 90 Tagen oder Schlaganfall in den vorangegangenen 6 Monaten
- instabile Angina pectoris oder Angina pectoris, die während sexueller Aktivität aufgetreten ist
- Herzinsuffizienz ab Schweregrad NYHA II in den letzten 6 Monaten
- unkontrollierte Herzrhythmusstörungen, niedriger Blutdruck unter 90/50 mm Hg oder unkontrollierter Bluthochdruck
- Herzerkrankungen, bei denen von sexueller Aktivität abgeraten wird
- Verlust der Sehkraft auf einem Auge durch eine nicht arteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie (NAION), unabhängig davon, ob der Sehverlust mit einer früheren Einnahme eines PDE-5-Hemmers zusammenhing
- Überempfindlichkeit gegen Tadalafil oder einen der sonstigen Bestandteile
Vorsicht und Wechselwirkungen
Besondere Vorsicht verlangt die Fachinformation bei einer Verformung des Penis, etwa bei Induratio penis plastica, und bei Erkrankungen, die eine Dauererektion begünstigen, wie Sichelzellanämie, multiples Myelom oder Leukämie. Ob Tadalafil nach einer Operation im Beckenbereich oder nach einer radikalen Entfernung der Prostata ohne Nervenschonung wirkt, ist nicht bekannt. Die Tabletten enthalten Lactose.
Zusammen mit Alphablockern kann der Blutdruck deutlich sinken; mit Doxazosin kann es bis zur Ohnmacht kommen, diese Kombination wird nicht empfohlen. Bei Tamsulosin und Alfuzosin wurde der Effekt in kleinen Studien mit gesunden Probanden nicht beobachtet, trotzdem rät die Fachinformation zur Vorsicht, besonders bei älteren Männern. Auch andere Blutdrucksenker können den Blutdruck zusammen mit Tadalafil zusätzlich senken. Mit 5-Alpha-Reduktase-Hemmern wie Finasterid ist ebenfalls Vorsicht geboten, weil eine formale Wechselwirkungsstudie fehlt.
Hemmstoffe des Leberenzyms CYP3A4 können den Tadalafil-Spiegel erhöhen, darunter Ketoconazol, Itraconazol, Ritonavir und andere Proteasehemmer, Erythromycin, Clarithromycin sowie Grapefruitsaft. Rifampicin, Phenobarbital, Phenytoin und Carbamazepin senken ihn und können die Wirkung abschwächen. Mit anderen Behandlungen der erektilen Dysfunktion, etwa mit Sildenafil, darf Tadalafil nicht kombiniert werden.
Nebenwirkungen und Warnzeichen
Die Nebenwirkungen sind laut Gebrauchsinformation meist leicht bis mäßig ausgeprägt. Häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten, kommen Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Muskelschmerzen, Schmerzen in Armen und Beinen, Gesichtsrötung, eine verstopfte Nase und Verdauungsstörungen vor. Kopfschmerzen unter täglicher Einnahme traten laut Fachinformation meist innerhalb von 10 bis 30 Tagen nach Behandlungsbeginn auf. Gelegentlich, bei bis zu 1 von 100 Behandelten, werden unter anderem Schwindel, Übelkeit, saures Aufstoßen, verschwommenes Sehen, Herzklopfen, Nasenbluten, Ohrgeräusche und eine verlängerte Erektion beschrieben. Durchfall wurde bei Männern über 65 Jahren häufiger berichtet, Schwindel bei Männern über 75 Jahren.
Brechen Sie die Einnahme ab und suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe, wenn eines der folgenden Warnzeichen auftritt. Verdachtsfälle von Nebenwirkungen können Sie außerdem selbst an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte melden.
- allergische Reaktion, zum Beispiel Hautausschlag oder Schwellungen im Gesicht oder am Hals
- Brustschmerzen: keine Nitrate anwenden, sondern ärztliche Hilfe rufen, im Zweifel den Notruf 112
- eine Erektion, die länger als 4 Stunden anhält: Unbehandelt drohen Schäden am Gewebe und ein dauerhafter Verlust der Erektionsfähigkeit
- plötzliche Abnahme oder Verlust der Sehkraft, verzerrtes oder trübes Sehen
- plötzliche Verschlechterung oder Verlust des Hörvermögens
Ärztliche Prüfung und wann eine Praxis vor Ort nötig ist
Die Fachinformation sieht vor einer Behandlung eine Anamnese und eine körperliche Untersuchung vor, um die Diagnose zu sichern und mögliche Ursachen zu erkennen. Außerdem soll der Zustand von Herz und Kreislauf erhoben werden, weil sexuelle Aktivität das Herz belastet. Vor einer Behandlung des Prostatasyndroms muss ein Prostatakarzinom ausgeschlossen werden, denn es kann die gleichen Beschwerden verursachen.
Über diesen Dienst beantworten Sie einen medizinischen Fragebogen; vorhandene Unterlagen fordert der Arzt bei Bedarf über den Chat in Ihrem Konto an. Die Angaben bewertet der Arzt Damian Wojno (polnische Approbation, Nr. 3211301). Er kann Unterlagen oder Messwerte anfordern, die Verordnung ablehnen oder Ihnen eine Untersuchung in einer Praxis vor Ort empfehlen. Fällt die Bewertung positiv aus, erhalten Sie die ärztliche Verschreibung als PDF per E-Mail. Über die Abgabe entscheidet die Apotheke.
Wurden Ihre Beschwerden noch nie ärztlich untersucht, ist ein Termin in der Hausarztpraxis oder in einer urologischen Praxis der sinnvolle erste Schritt; das gilt besonders für Prostatabeschwerden. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, in lebensbedrohlichen Fällen den Notruf 112.
Was kostet das?
Nach § 34 Abs. 1 SGB V sind Arzneimittel, die überwiegend der Behandlung der erektilen Dysfunktion dienen, von der Versorgung durch die gesetzliche Krankenversicherung ausgeschlossen. Gesetzlich Versicherte tragen die Kosten für Tadalafil gegen Erektionsstörungen deshalb selbst. Die ärztliche Verschreibung über diesen Dienst ist außerdem kein Kassenrezept: Das Arzneimittel bezahlen Sie in der Apotheke. Die Gebühr für die ärztliche Bewertung wird Ihnen vor der Zahlung angezeigt.
Gibt es Tadalafil rezeptfrei?
Nein. Tadalafil steht ohne Einschränkung in Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung und ist damit in Deutschland in allen Stärken verschreibungspflichtig. Die Apotheke darf es nur gegen eine ärztliche Verschreibung abgeben.
Wann sollte man Tadalafil vor dem Geschlechtsverkehr einnehmen?
Bei Einnahme nach Bedarf mindestens 30 Minuten vorher. Die Wirkung kann bis zu 36 Stunden anhalten, setzt aber sexuelle Stimulation voraus. Mehr als eine Tablette am Tag ist nicht vorgesehen; reicht die verordnete Stärke nicht aus, klären Sie das mit dem verordnenden Arzt, statt eine zweite Tablette zu nehmen.
Was ist der Unterschied zwischen Tadalafil 5 mg und 20 mg?
5 mg ist für die tägliche Einnahme gedacht: bei Erektionsstörungen mit häufiger sexueller Aktivität, je nach Verträglichkeit auch als 2,5 mg, und beim Prostatasyndrom. 10 und 20 mg nimmt man bei Bedarf vor der sexuellen Aktivität ein, wobei 20 mg erst infrage kommen, wenn 10 mg nicht genügen. Eine dauerhafte tägliche Einnahme von 10 oder 20 mg empfiehlt die Fachinformation nicht.
Kann ich Tadalafil mit Alkohol einnehmen?
Alkohol kann den Blutdruck vorübergehend senken und die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen. Die Gebrauchsinformation rät, rund um die Einnahme übermäßiges Trinken zu vermeiden, also einen Blutalkohol von 0,8 Promille und mehr, weil sonst Schwindel beim Aufstehen wahrscheinlicher wird.
Darf ich Tadalafil zusammen mit Blutdrucksenkern einnehmen?
Mit Nitraten und Riociguat nie. Andere Blutdrucksenker sind nicht grundsätzlich ausgeschlossen, können aber zusammen mit Tadalafil den Blutdruck zusätzlich senken; bei Alphablockern ist besondere Vorsicht nötig. Beginnt eine tägliche Einnahme, prüft der Arzt, ob die blutdrucksenkende Behandlung angepasst werden muss. Eine vollständige Liste Ihrer Arzneimittel ist deshalb Voraussetzung für die ärztliche Bewertung.
Wird die ärztliche Verschreibung in der Apotheke angenommen?
Die Verschreibung stellt der Arzt Damian Wojno (polnische Approbation, Nr. 3211301) in Polen aus. Sie erhalten die ärztliche Verschreibung als PDF per E-Mail. Über die Abgabe entscheidet die Apotheke. Apotheken prüfen dabei unter anderem die Unterschrift, und Verschreibungen aus anderen EU-Staaten werden in Deutschland nicht immer beliefert; fragen Sie deshalb vorab in der Apotheke nach, in der Sie das Arzneimittel abholen möchten.
Gibt es Tadalafil auch gegen Lungenhochdruck?
Ja. In eigener Dosierung ist Tadalafil auch zur Behandlung der pulmonalen arteriellen Hypertonie zugelassen, bei Erwachsenen und bei Kindern ab 2 Jahren. Diese Behandlung gehört in fachärztliche Betreuung und ist nicht Thema dieser Seite. Riociguat, ein weiteres Mittel gegen Lungenhochdruck, darf mit Tadalafil nicht kombiniert werden.
- Produktinformation Cialis: Fachinformation und Gebrauchsinformation (EMA, deutsch)
- Produktinformation Adcirca: Tadalafil bei pulmonaler arterieller Hypertonie (EMA, deutsch)
- Anlage 1 zur Arzneimittelverschreibungsverordnung (gesetze-im-internet.de)
- § 34 SGB V: Ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel (gesetze-im-internet.de)
- § 17 Apothekenbetriebsordnung (gesetze-im-internet.de)